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Siduction Forum => Free Speech => Thema gestartet von: ayla in 2014/10/04, 19:54:04

Titel: Zwangsrouter
Beitrag von: ayla in 2014/10/04, 19:54:04
http://www.pro-linux.de/news/1/21575/fsfe-bundesnetzagentur-will-verbraucher-entmuendigen.html

tja, ich bin mir da nicht sicher...

Übertreibt die FSFE da (mal wieder)?
Oder hätte mein Provider u.U. wirklich ein Interesse mir einen bestimmten Router vorzuschreiben? Was ja (erforderliches OS/Software zur Konfiguration/Zugangsdaten nicht verfügbar) für Linuxer schon zum Problem werden könnte.

Ich bin eigentlich ja der Meinung mein Provider wird den Teufel tun denn sich hier auf etwas einzulassen was ihn einen Teil seiner Kunden kosten könnte.

Greets
ayla
Titel: Re: Zwangsrouter
Beitrag von: absolut in 2014/10/04, 20:33:40
nein, die FSFE übertreibt meiner Meinung nach nicht.

Ja, der Provider hat ausreichend viele gute Gründe den Nutzern einen bestimmten Router vorzuschreiben, der entsprechende Zugriffsmöglichkeiten von extern zulässt.

Hinsichtlich Konfiguration durch den Nutzer: es läuft alles mittlerweile über ein Web-Frontend, ergo OS unabhängig. Nicht Bekanntgabe der Zugangsdaten macht den Umstieg auf andere Hardware (ohne externen Zugriff) viel umständlicher und daher für Laien nicht umsetzbar.

Der recht überschaubare Teil der Kunden, die durch diese Einschränkung wegfallen würden, wären für die meisten Provider vernachlässigbar.
Titel: Re: Zwangsrouter
Beitrag von: bluelupo in 2014/10/04, 23:14:17
Hi ayla,
die Provider denken da nur ans minimieren der Kosten für den Support und da ist der "Routerzwang" schon willkommen. Aber wir haben das alle selbst in der Hand dies nicht zu akzeptieren. Für mich ist das absolutes NoGo und ein Kündigungsgrund.
Titel: Re: Zwangsrouter
Beitrag von: dieres in 2014/10/05, 20:31:09
Solange es noch Alternativen gibt ! >:(
Titel: Re: Zwangsrouter
Beitrag von: melmarker in 2014/10/05, 21:11:20
und ich find die Fritzboxen nich mal schlecht, dazu muss man mich nicht wirklich zwingen :D
Titel: Re: Zwangsrouter
Beitrag von: ayla in 2014/10/05, 21:59:01
Zitat von: melmarker in 2014/10/05, 21:11:20
und ich find die Fritzboxen nich mal schlecht, dazu muss man mich nicht wirklich zwingen :D

hmm.. der Meinung war ich auch, bis zum letzten Update...
Das hatte ich plötzlich auf meinem Router obwohl ich sicher bin das ich den entsprechenden Schalter so gestellt hatte daß eine Fernwartung von außen nicht erlaubt ist. Und seit dem Update gibt es selbst diesen Fake-Schalter nicht mehr -oder ich bin inzwischen vollkommen verblödet.

ZitatFür mich ist das absolutes NoGo und ein Kündigungsgrund.
Dem kann ich in diesem Zusammenhang nur beipflichten und ich schau mich gerade um. Mein Endgerät gehört mir, da hat keiner ohne meine ausdrückliche Zustimmung durch explizites Freischalten dran rum zu schrauben -auch wenn es sich, wie in dem Fall um ein Sicherheitsupdate handelt, und meine Zugangsdaten sind mir zur Verfügung zu stellen.

Das Kostenargument kann ich nachvollziehen und auch daß es den Support erheblich erleichtert wenn nur eine kleine Anzahl von verschiedenen Geräten zu supporten sind -da hätte ich auch prizipiell erst mal nix gegen, denn ich würde ja selber davon profitieren wenn sich mein Provider mit dem Gerät bestens auskennt.

Was mich einfach stört ist dass da schon wieder "reguliert" werden muß. Muss denn alles bis ins kleinste vorgeschrieben werden? Was dabei raus kommt ist ja bei dieser Geschichte dann auch wieder zusehen.

Und hätte nicht eigentlich auch mein Provider ein Interesse nicht von einem einzigen Hersteller abhängig zu sein sondern wenigstens noch ein/zwei Alternativen zu haben?

Gruß
ayla
Titel: Re: Zwangsrouter
Beitrag von: samoht in 2014/10/06, 12:57:12
@ ayla:
Zitat
hmm.. der Meinung war ich auch, bis zum letzten Update...
Das hatte ich plötzlich auf meinem Router obwohl ich sicher bin das ich den entsprechenden Schalter so gestellt hatte daß eine Fernwartung von außen nicht erlaubt ist. Und seit dem Update gibt es selbst diesen Fake-Schalter nicht mehr -oder ich bin inzwischen vollkommen verblödet.
Du hast vergessen, mitzuteilen, um welchen Typ es sich handelt. Auf meiner FritzBox gibt es diesen Schalter durchaus (siehe Anhänge).
Zitat
Übertreibt die FSFE da (mal wieder)?
Oder hätte mein Provider u.U. wirklich ein Interesse mir einen bestimmten Router vorzuschreiben? Was ja (erforderliches OS/Software zur Konfiguration/Zugangsdaten nicht verfügbar) für Linuxer schon zum Problem werden könnte.


Ich bin eigentlich ja der Meinung mein Provider wird den Teufel tun denn sich hier auf etwas einzulassen was ihn einen Teil seiner Kunden kosten könnte.
Erst nimmst Du die Bundesnetzagentur in Schutz und polemisierst gegen die FSFE, und dann schwenkst Du um?
ZitatDem kann ich in diesem Zusammenhang nur beipflichten und ich schau mich gerade um. Mein Endgerät gehört mir, da hat keiner ohne meine ausdrückliche Zustimmung durch explizites Freischalten dran rum zu schrauben -auch wenn es sich, wie in dem Fall um ein Sicherheitsupdate handelt, und meine Zugangsdaten sind mir zur Verfügung zu stellen.
Gruß
Tom
Titel: Re: Zwangsrouter
Beitrag von: bluelupo in 2014/10/06, 13:23:08
Vielleicht sollte man auch mal erwähnen das dies nur mit "normalen" DSL (VDSL) FB so ist. Bei den FB-Modellen für die Kabelanbieter ist das Updaten der OS-Version per default deaktiviert (zumindest bei Kabeldeuschland). Also haben wir bei den FB-Kabelboxen eh schon einen "halben" Zwangsrouter.
Titel: Re: Zwangsrouter
Beitrag von: horo in 2014/10/06, 14:10:25
Zitat von: bluelupo in 2014/10/06, 13:23:08
Also haben wir bei den FB-Kabelboxen eh schon einen "halben" Zwangsrouter.
Hi bluelupo,

das ist damit begründet, dass das TV-Kabel im Gegensatz zu DSL ein "shared medium" ist, und Du sicher nicht möchtest, dass die verbastelte Box Deines Nachbarn Dir den Traffic kaputt macht (oder schlimmeres anstellt).

Ciao, Martin
Titel: Re: Zwangsrouter
Beitrag von: michaa7 in 2014/10/06, 17:03:59
Zitat von: ayla in 2014/10/04, 19:54:04
...
Ich bin eigentlich ja der Meinung mein Provider wird den Teufel tun denn sich hier auf etwas einzulassen was ihn einen Teil seiner Kunden kosten könnte.
...

Nicht wenn sich das noch mehr einbürgert als es derzeit schon der fall ist.

Es geht bei der entscheidung nicht um schwarz oder weiß, sondern darum wohin sich das derzeitige grau durch entsprechende gesetzliche vorgaben entwickeln können soll. Und der dabei eingeschlagene schleichpfad, gut getarnt in scheinbar nebensächlichen unterpunkten versteckt in die gesetzesvorlage das gegenteil dessen hineinzuschreiben was der gesetzgeber als vorgabe im koalitionsvertrag öffentlichkeitswirksam in die welt trompetete zeigt doch deutlich, was lobbyismus bewirkt und wohin die reise gehen soll.
Titel: Re: Zwangsrouter
Beitrag von: bluelupo in 2014/10/06, 17:14:35
Zitat von: horo in 2014/10/06, 14:10:25
Hi bluelupo,

das ist damit begründet, dass das TV-Kabel im Gegensatz zu DSL ein "shared medium" ist, und Du sicher nicht möchtest, dass die verbastelte Box Deines Nachbarn Dir den Traffic kaputt macht (oder schlimmeres anstellt).

Ciao, Martin
Hi horo,
klar will ich das nicht, aber trotzdem ist das auf meinem Endgerät eine üble Bevormundung. Es ist ein schleichender Trend bei neu  gekaufter Hardware irgendein Ablaufdatum oder Begrenzung einzubauen. Ich möchte mir nicht vorstellen wo das alles noch hinführt.
Titel: Re: Zwangsrouter
Beitrag von: melmarker in 2014/10/06, 17:31:59
Nur mal zur Klarstellung: Ich habe keinerlei Probleme mit den Fritzboxen von Unitymedia - wer die nicht haben möchte, soll sie sich nicht holen, das gute alte Motorola-Kabel-Modem gibt es ja auch noch.  Und es ist nun mal Tatsache, dass 99,8% der Kunden halt gar keinen Plan von dem Zeug  haben. Und da ist man als Kunde mit Plan halt eventuell der Looser, weil wirklich in der Minderheit und fast komplett ohne Relevanz für einige Anbieter. :) Wissen und Plan haben halt nicht immer Vorteile.

Noch eine Tatsache - so schwer das auch zu verdauen ist: Die Unitymediaboxen gehören Unitymedia, nicht dem Kunden - Abhilfe: siehe oben. Und es wird noch schlimmer - die werden sich auch weiterhin das Recht rausnehmen, dem Kunden zu sagen, dass sein Netz erst nach dem Abschlußgerät anfängt und nicht schon bei der Dose. Abgesehen davon kann man immer ohne Probleme  einen eigenen Router hinter das Anbietergerät schalten - ich sehe da erst mal nicht die großen Probleme drin.

Ich mag mich da auch täuschen, weil ich ja von Netzwerken, Routing und dem ganzen "Neuland-Komplex" keinen blassen Schimmer habe :D.
Titel: Re: Zwangsrouter
Beitrag von: michaa7 in 2014/10/06, 18:33:58
Es spricht nichts gegen Bequemrouter.
Titel: Re: Zwangsrouter
Beitrag von: cryptosteve in 2014/10/06, 18:55:05
Es spricht aber etwas gegen Nicht-Dickschiffe. Außerdem soll es auch Leute geben (wie mich), die ihr Routing und ihre Einwahl lieber komplett selbst handeln und sich nicht auf die (fehlenden) Sicherheitsupdates des Routerherstellers verlassen wollen.


Für mich wäre ein Zwangsrouter auch ein Kündigungsgrund, allerdings fürchte ich, dass die Luft da mittelfristig ohnehin ziemlich dünn wird.
Titel: Re: Zwangsrouter
Beitrag von: ayla in 2014/10/07, 00:04:52
@ samoth:

Ich nehme nicht die Netzagentur in Schutz. Im Gegenteil, was die da verzapfen spricht für mich nicht für sondern gegen Regulierung. Ich sagte aber eingangs auch: Ich bin nicht sicher was ich von dem ganzen Komplex halten soll. Und meiner Meinung nach schießt die FSFE halt desöfteren mal ein ganz klein wenig übers Ziel hinaus, also hinterfrage ich lieber mal bevor ich anfange ins gleiche Horn zu stoßen -was nicht heißt das ich generell schlecht finde was die Leute da machen, eher auch hier das Gegenteil.

Ich bin aber auch der Meinung daß, wo immer es geht, der Staat und die diversen "Regulierer" ihre Finger aus dem Spiel halten sollen und nur dort eingreifen wo es wirklich nicht anders geht.

Zitat von: cryptosteveFür mich wäre ein Zwangsrouter auch ein Kündigungsgrund, allerdings fürchte ich, dass die Luft da mittelfristig ohnehin ziemlich dünn wird.
Der Zwangsrouter alleine wäre es für mich noch nicht, aber ich lass mich nicht gern verar... Der Zugriff muß unter meiner Kontrolle bleiben.
Allerdings hat Melmarker da ja einen Punkt an den ich noch garnicht gedacht habe:

Zitat von: MelmarkerAbgesehen davon kann man immer ohne Probleme  einen eigenen Router hinter das Anbietergerät schalten - ich sehe da erst mal nicht die großen Probleme drin.
Dann kann 1&1 mit "seinem" Router machen was es will, und ich sorge für die Sicherheit meines internen Netzes -hmm, kann man mal drüber nachdenken.

Nochmal @ samoth: Genau dieser Schalter -auf deinem Bild ausgegraut- war bei mir ebenfalls immer ohne Haken, es sei denn es gab ein Problem, was zwei mal der Fall war, und ich habe ihn für die betreffende Sitzung gesetzt und anschließend sofort wieder rausgenommen.
Ich bin mir zwar nicht sicher ob der bei meinem Router auch unter Zugangsdaten war, aber ich find' ihn auch sonst nirgends mehr -ok, will auch nicht viel heißen, ich hab's auch schon fertig gekriegt sowas erst nach Monaten zufällig wieder zu finden...
Tatsache ist aber das das Ding eine neue Softwareversion hat und ich da nicht gefragt wurde.
So sieht die betreffende Seite bei mir aus -keine Reiter, Schalter oder sonstwas:
Titel: Re: Zwangsrouter
Beitrag von: Lanzi in 2014/10/07, 00:26:58
Mit Zwangsroutern kommen weitere Probleme:

1. Fritzboxen kosten oft Aufpreis, der monatlich als Miete fälig wird
2. Wlan-Option und andere "Gimmicks" wie weitere Geräte kosten Aufpreis
3. Wer haftet für nicht gefixte Sicherheitslücken und daraus entstehende Schaden (z.B. wenn Fremde plötzlich über meinen Anschluss illegales laden?
4. die Vodafoneboxen werden übelst warm, werden also richtig Strom schlucken
5. Zwangsrouter bedeutet, dass man oft dann auch keinen Zugriff auf die eigenen Anschlussdaten, z.B. für Voice over IP hat. Ich bin zwar kein Telefonfreak, kenne aber genug "Telefonanalgenfetischisten", die das als Hobby haben und auch wirklich ne Menge damit können. AUßerdem kann man mit den VoIO-Daten auch seinen Anschluss mal bequen an den Ferienort legen.

Alles in allem ist diese Bevormundung nicht hinnehmbar, weder ökologisch, juristisch und aus technischer Sicht auch nicht. Ich sehe es also nicht ganz so pragmatisch wie Alf.


Titel: Re: Zwangsrouter
Beitrag von: melmarker in 2014/10/07, 01:52:50
Und noch mal - ich sehe da nicht wirklich eine Bevormundung. Um noch mal auf UnityMedia zurückzukommen:
+ Kabel
* dat Zeug is kabelgebunden, die Telefoniesachen am Ferienort fallen erst mal flach
* ich habe die Auswahl zwischen Motorola-Modem (wahrscheinlich nur noch auf Nachfrage), da kommt dann 2x Telefonie und einmal Lan raus - Rest meins
* Billigbox mit Kabelmodem und Router
* bei entsprechendem Tarif Fritz ohne Zusatzkosten
* Verkablung in der Bude einfach, der Fernsehanschluss liegt meist im Wohnbereich. Telefon bei Altbauten oft nicht :)

Zum Thema Sicherheit - irgendwo muss ein definierter Netzübergabepunkt geschaffen werden - und wenn nicht jeder Anbieter den so bietet, wie von mir gewünscht, dann nehme ich einen anderen Anbieter. Wenn es einen anderen Anbieter nicht gibt - verzichten oder sich anderweitig behelfen. Genau das ist Marktwirtschaft. Ich kann als Kunde durchaus entscheiden, für was ich mein Geld ausgebe. Ich kann aber keinem Anbieter vorschreiben, wie seine Dienstleistung an mich auszusehen hat, wenn sein Angebot geltenden Gesetzen entspricht. Im Zweifel sagt der Anbieter mit gutem Recht: Nö, is nich mit uns, wollen wir nicht. Das ist legitim.

Thema Bevormundung: Relevante Daten müssen raus gegeben werden. Meinetwegen auch erst auf direkte Anfrage und meinetwegen auch nur schriftlich per Einschreiben auf schriftliche Anftrage. Was relevant ist, sollte der Gesetzgeber, so möglich festlegen. Mehr nicht. Konstrukte wie: "Ich nutze das ja nicht mal, kenne aber Leute, die das nutzen und jetzt fühle ich mich benachteiligt und bevormundet." lasse ich nicht wirklich gelten. Das ist genau so weit hergezogen wie das Argument für OpenSource, dass jeder den Code inspizieren kann.  Die meisten User finden ihn nicht, wer ihn findet, kann ihn meist nicht lesen, wer diese beiden Hürden überwunden hat, wird das bei 99,99% aller Programme, die er einsetzt, nicht machen. Allein die Möglichkeit, das zu tun ist wichtig. Die Hürden auf dem Weg dahin nicht.

Von daher sehe ich diese Versuche, über die Hintertür der Gesetzgebung etwas an diesem Mechanismus zu verändern, sehr kritisch. Aber das ist ein ganz anderes Paar Schuhe.
Titel: Re: Zwangsrouter
Beitrag von: cryptosteve in 2014/10/07, 07:00:24
Zitat von: ayla in 2014/10/07, 00:04:52Dann kann 1&1 mit "seinem" Router machen was es will, und ich sorge für die Sicherheit meines internen Netzes -hmm, kann man mal drüber nachdenken.
Das interne Netz ist nicht das Problem ... nach innen kannst Du Dich immer abschotten. Aber mit einem Zwangsrouter hast Du keine Kontrolle mehr über das externe Netz. Zwangsrouter sind ja nur der erste Schritt, z.b. zu einer VPN-Sperre für Privathaushalte oder unliebsamen Kunden oder $whatever. Sowas lässt sich auf einem Zwangsrouter per Mausklick aktivieren, während Eingriffe über die provider-eigene Infrastruktur schwerwiegend wären.

Wenn die Zwangsrouter erstmal umgesetzt sind, weckt das aber SOFORT Begehrlichkeiten bei Politik und Content-Industrie.
Titel: Re: Zwangsrouter
Beitrag von: bluelupo in 2014/10/07, 08:50:26
Zitat von: cryptosteve in 2014/10/07, 07:00:24
Das interne Netz ist nicht das Problem ... nach innen kannst Du Dich immer abschotten. Aber mit einem Zwangsrouter hast Du keine Kontrolle mehr über das externe Netz. Zwangsrouter sind ja nur der erste Schritt, z.b. zu einer VPN-Sperre für Privathaushalte oder unliebsamen Kunden oder $whatever. Sowas lässt sich auf einem Zwangsrouter per Mausklick aktivieren, während Eingriffe über die provider-eigene Infrastruktur schwerwiegend wären.

Wenn die Zwangsrouter erstmal umgesetzt sind, weckt das aber SOFORT Begehrlichkeiten bei Politik und Content-Industrie.
Da kann ich cryptosteve nur zustimmen. Eben diese fehlende Kontrolle über den Roter auf das externe Netz ist nicht ohne Hintergedanken seitens der Politik und Provider enstanden.

@melmarker: Bei KD hast zu zB. keine Möglichkeit fie Fritzboxen per Update auf den aktuellen Stand zu bringen, was bei der letzten Sicherheitslücke ziemlich risikoreich war. KD hat erst nach langen zögern ein Update für die Fritzbox bereitgestellt. Nur mal so bemerkt was dieser Provider für eine Praxis fährt.
Titel: Re: Zwangsrouter
Beitrag von: ayla in 2014/10/07, 09:43:50
Zitat von: cryptosteve in 2014/10/07, 07:00:24
Das interne Netz ist nicht das Problem ... nach innen kannst Du Dich immer abschotten.
Mein Anbieter hat einen unkontrollierbaren Vollzugriff auf meinen Router und somit auch auf mein internes Netz -wenigstens muß ich damit rechnen wenn er Softwareupdates trotz abschalten des Fernzugriffs aufspielen kann, woher soll ich wissen welche anderen Schalter auch nur Fake sind? Wie soll ich das da noch abschotten können, ohne jede einzelne interne Kiste und den Datenaustausch dazwischen so abzusichern als würde sie direkt am externen Netz hängen -mit allen Unbequemlichkeiten für den Nutzer. Selbst wenn ich das technisch hinkriege -meine Frau jagt mich mit dem Nudelholz und meine Kinder -wenn sie zu Besuch sind- halten mich für jetzt vollkommen bekloppt wenn sie erst nach einem Sicherheitscheck in das WLAN dürfen -und mit Windows oder Android schon garnicht :)

Eine Kontrolle übers externe Netz hab ich sowieso nicht, auch wenn ein Eingriff z.B. am Kabelverteiler aufwendiger wäre, möglich ist er schon -bei einem Verbot von Zwangsroutern wäre z.B. auch eine providereigene Anschlussdose mit entsprechender Elektronik denkbar die die von Dir beschriebenen Funktionen übernehmen könnte- hier hab ich dann auch nur die Wahl einen anderen Provider zu nehmen.

Dass eine Spy software besser einzuschleussen wäre steht außer Frage wenn ich denn mal auf das Interesse der Politik und Bundestrojaner u. ä. eingehe...

Zu dem Aspekt "Wer ist für die Sicherheit hinsichtlich nicht gefixter Sicherheitlücken etc. zuständig": Mein Provider und nur er, solange ich keine Passwörter rausgebe. Das ist sein Endgerät, wenn er es zulässt daß Hinz und Kunz darauf zugreifen können ist das sein Problem.

Je mehr ich drüber nachdenke desto weniger Alternativen sehe ich zu einem Router hinter dem, dann nur noch als Kabelmodem laufenden, providereigenen Router.

Gruß
ayla
Titel: Re: Zwangsrouter
Beitrag von: cryptosteve in 2014/10/07, 10:10:01
Zitat von: ayla in 2014/10/07, 09:43:50Wie soll ich das da noch abschotten können, ohne jede einzelne interne Kiste und den Datenaustausch dazwischen so abzusichern als würde sie direkt am externen Netz hängen -mit allen Unbequemlichkeiten für den Nutzer.

In dem Du einfach eine zweite Kiste mit Switch hinter den Router hängst und das selbst machst. Läuft hier zur vollen Zufriedenheit und der Router bekommt vom LAN-Traffic überhaupt nichts mit.

Aber auch der Konstellation könnte man Richtung WAN einen Riegel vorschieben und einfach NAT-Pakete blockieren oder - schlimmer noch - später bei IPv6 einfach nicht durchlassen.

Edit: Quotes repariert
Titel: Re: Zwangsrouter
Beitrag von: ayla in 2014/10/07, 10:28:07
arrgghh.. Ich hab gerade die Einstellmöglichkeit wieder gefunden. Anscheinend wurde beim Update die Oberfläche von "erweitert" zu "standard" zurück gesetzt, dann sind die betreffenden Reiter weg. Und der Umschalter ist in Minischrift in der Fußzeile...

Jetzt frag ich mich halt nur noch was ich von der Wirksamkeit des  wieder gefundenen Schalters halten soll...

@ Cryptosteve: Mein gesamtes WLAN läuft über die Box, also der komplette Datenaustausch, intern wie extern, statt nem switch brauch ich dann halt einen WLAN-Router....
Titel: Re: Zwangsrouter
Beitrag von: cryptosteve in 2014/10/07, 10:37:46
Zitat von: ayla in 2014/10/07, 10:28:07@ Cryptosteve: Mein gesamtes WLAN läuft über die Box, also der komplette Datenaustausch, intern wie extern, statt nem switch brauch ich dann halt einen WLAN-Router....
Genau, mit einem zweiten Router würde es auch gehen. Ich habe dafür nur einen WLAN-Stick und hostapd und mach das ganze WLAN damit auch selbst. Zusätzliche WLAN-Router habe ich nur für Gastzugänge und Freifunk.
Titel: Re: Zwangsrouter
Beitrag von: ayla in 2014/10/07, 11:52:37
Jedenfalls hat mir die bisherige Diskussion (und auch das Nachdenken über meine Probleme diesen Schalter zu finden sowie das nicht authorisierte Sicherheitsupdate) klar gemacht das die FSFE hier wohl keineswegs übertreibt, und daß ich -selbst dann wenn obiges nur auf meine Dusseligkeit zurückzuführen wäre, was ich nicht ausschließen kann,  nur dann einigermaßen auf der sicheren Seite sein kann wenn ich meine Hardware selber wähle, wenn die Software offengelegt ist und ich die vollständige Kontrolle -und damit aber auch die Verantwortung für die Sicherheit meines Anschlusses- selbst übernehmen kann...
Titel: Re: Zwangsrouter
Beitrag von: bluelupo in 2014/10/07, 12:27:59
@ayla: genauso denke ich auch. Womit man sich natürlich auch noch beschäftigen muß ist die Konsequenz, wenn der Provider meiner Wahl eben diese Vorausetzungen nicht (sprich freie Routerwahl) mehr erfüllt. Das heißt dann schon mal eine Kündigung eines DSL- bzw. Kabelanschlusses auszusprechen und zur Konkurrenz wechseln, das evtl. auch mit Mehrkosten verbunden ist.
Titel: Re: Zwangsrouter
Beitrag von: ayla in 2014/10/07, 12:45:13
/sarkasm on:

Aber das ist ja alles nebensächlich denn:

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Eric-Schmidt-zum-NSA-Skandal-Der-sicherste-Ort-fuer-Ihre-Daten-ist-Google-2412633.html?wt_mc=rss.ho.beitrag.rdf

sarkasm off/

Meine Güte  ::)
Titel: Re: Zwangsrouter
Beitrag von: mxmehl in 2014/10/18, 00:05:13
Schade, ich war zwei Wochen im Urlaub und konnte hier leider nicht mitdiskutieren.

Ich habe eine Zeit lang für die FSFE gearbeitet und bin noch heute tief in der Routerzwang-Sache drin. Daher kann ich ohne Eigenlobhudelei sagen, dass wir nicht übertreiben und nicht über's Ziel hinausschießen.

Was mir persönlich Angst bei diesem Thema macht, ist nicht die Gegenwart. Mit VPN, Switches und NAT-Routern dahinter und etwas Paranoia kann ich die meisten momentanen Probleme von Zwangsroutern umgehen oder stark abmildern. Doch was, wenn der Routerzwang gesetzlich verankert/toleriert ist, wie es BNetzA und BMWi momentan zulassen? Meint Ihr, es gäbe dann noch Alternativen?
Zwangsrouter sind billiger für ISPs und die wenigen User, die sich um freie Routerwahl scheren, haben keinen relevanten market share, um mit einem Anbieterwechsel Druck ausüben zu können.

Für jede neue Funktion, die in Routern integriert wird, muss ich dann einen neuen Workaround finden. Möchte ich in zehn Jahren meinen Kühlschrank remote steuern, geht das nur mit von ISPs tolerierten Protokollen. Nach einem Firmware-Upgrade muss ich meinen bisherigen Remote-Freezer 3000 wegschmeißen, weil ich nicht mehr zu ihm kommunizieren kann - der Router blockt es.

Für Web-TV-Streams in fünf Jahren braucht man einen kompatiblen, mit dem Router kombinierbaren Fernseher. Man benötigt von ISPs lizensierte Telefone, weil die Schnittstellen nicht mehr universal sind, sondern proprietär und inkompatibel mit alten Telefonen.

Und ist Routerzwang gesetzlich etabliert, kann er im schlimmsten Fall auch auf andere Gerätschaften übergreifen. Gesetzlich wird nämlich oft von einem IAD (Integrated Access Device) geredet. Könnte so nicht auch ein "Zwangssmartphone" etabliert werden? Vielleicht kauft man bald nicht mehr den Vertrag zum Handy, sondern bekommt nur eine Auswahl an Handys für die 4 verschiedenen Verträge, die ein Anbieter im Portfolio hat - natürlich mit immer weniger Zugriffsrechten.

Ja ja, ich weiß, das ist eine sehr düstere Zeichnung der Zukunft. Aber sie ist möglich. Und kurioserweise - und deswegen setzt sich die FSFE auch so kräftig dafür ein - ist sie leicht abzuwenden. Gesetzlich müsste (fast) nur die TAE- oder Multimediadose als Netzabschlusspunkt definiert werden, wo das Netz des ISPs endet und das des Kunden beginnt - und zwar rigoros. Kunden sollen befähigt sein, jedes x-beliebige Gerät daran anzuschließen. So blieben Standards offen, Sicherheit eine für ISPs lohnenswerte Investition und der Wettbewerb zwischen Routerherstellern und ISPs bestehen. Alles andere ist für jeden Verbraucher Schwachsinn, denn von ISPs vorgeschlagene und betreute "Optionalrouter" kann es weiterhin geben, nur hat Jede/r die freie Alternative.

P.S.: Leute, die zum Routerzwang "Alles nicht so schlimm" sagen, unterscheiden sich in meinen Augen leider nicht groß von den "Ich hab nichts zu verbergen"-Sagern im Rahmen der NSA-Affären.


Zur Sicherheit: Michael Tremer, Leiter des IPFire-Projekts (FLOSS Firewall Distribution), hat schon sehr früh klar gemacht, dass auch die beste Firewall im internen Netz nichts bringt, wenn der Router abgeschlossen ist und man keine Gewalt darüber besitzt. Eben auch, weil Abschottung nicht Sinn der Sache ist und nicht jeder Traffic geschützt werden kann.

Disclaimer: Der Text ist kein offizielles Schreiben der FSFE, nur private Tipselei nach 24 Uhr in enorm müdem Zustand. Für offizielle Infos empfehle ich die Infoseiten der FSFE zu diesem Thema: https://fsfe.org/activities/routers


ZitatUnd meiner Meinung nach schießt die FSFE halt desöfteren mal ein ganz klein wenig übers Ziel hinaus, also hinterfrage ich lieber mal bevor ich anfange ins gleiche Horn zu stoßen -was nicht heißt das ich generell schlecht finde was die Leute da machen, eher auch hier das Gegenteil.
Zitat

Findest Du? Ich bin da wie eingangs erwähnt "leider" nicht neutral, würde mich aber sehr über ein paar Beispiele dazu freuen (PN maybe?). Und bitte nicht den Fehler machen und FSFE mit der nordamerikanischen FSF verwechseln ;)
Titel: Re: Zwangsrouter
Beitrag von: Lanzi in 2014/10/25, 13:35:55
Für alle, die ihre Zwangsbox nicht nutzen möchten, es aber tun, weil der ANbieter die Daten nicht ruasrückt, gibt es eine Chance, wenn es eine Fritzbos ist:

http://wiki.port23.de/index.php/Zugangsdaten_aus_einer_Fritzbox_auslesen