Partition einer Festplatte über Konsole vergrößern ?

Started by gas103, 2011/05/26, 11:19:57

Previous topic - Next topic

gas103

Hallo Forum,

ich habe ein sehr spezielles Problem in Bereich virtueller Server.  Wir arbeiten in der Arbeit mit Egroupware, Version 1.4.
Diese soll jetzt auf 1.8 upgedatet werden, und um dies zu testen wurde mir ein virtueller Server auf CentOS Basis aufgesetzt. (Nur leider hat der Kollege wenig Erfahrung mit Linux.) Aufgrund dessen wurde bei der Installation des virtuellen Testservers der Fehler gemacht, dass die sda1 mit 3,8 GB erstellt wurde.
Nun nachdem ich alles installiert hatte was für EGW benötigt wird, ist die Festplatte voll, sodaß ich nichts mehr installieren geschweige denn  deinstallieren kann.  :?
(Die virtuelle Partition von Vmware auf der der Testserver liegt ist 30 GB groß an der liegt's definitiv nicht)
Natürlich könnte ich ein Backup einspielen. Das ist aber relativ alt, sodaß etwa eine Arbeitswoche beim Teufel ist.
Den Server neu aufsetzen wäre noch übler.

Gibt es über die Konsole die Möglichkeit die SDA1 zu vergrößern ohne die Partion zu löschen. (Gparted kann ich aus den o.g. Gründen nicht installieren.)

Hat da jemand Erfahrung ?

gruß
gas103

wofritz

Hi gas103,

kannst Du nicht ein Backup der vorhandenen Partition machen und das dann auf die vergrösserte Partition zurückspielen?

Gruss,

Wolfgang

gas103

Hi wofritz,

danke für die schnelle Antwort. Momentan sehe ich ehrlich gesagt lauter Fragezeichen vor meinem Kopf schwirren.
Wäre das eine physikalische Maschine wäre das kein Problem, aber bei einer Virtuellen ??
Soweit ich weiß kann man nur ein Backup der gesamten virtuellen Maschine machen - und das gib'ts ja auch.
Aber Teilbereiche der virtuellen Festplatte raussichern, denke ich eher mal nicht. Da muss ich mal unsere Serverleute fragen - oder hat da schon jemand Erfahrungen gemacht ?

gas103

gerd

Du müsstest auch in einer virtuellen Maschine von einer CD booten können und darüber dann die Partition vergrößern können.

Prinzipiell kann man Partitionen auch per Konsole vergrößern, aber nur wenn sie ausgehangen ist, d.h. bei der root-Partition nicht im laufenden Betrieb.

bluelupo

Hi gas103,
schau mal hier rein http://www.howtoforge.de/howto/wie-man-die-grose-von-ext3-partitionen-anpasst-ohne-daten-zu-verlieren/

Ich würde zukünftig den LVM verwenden, denn dann kannst du ohne Probleme FS vergrößern und das noch im laufenden Betrieb.

Lanzi

@bluelupo: mir hattest DU auch schon mal im siduxforum vor einiger Zeit LVM empfohlen. Ich hatte mich damals ein wenig eingelesen, aber nicht so recht den Vorteil gesehen. Hast Du mal einen Link für Einsteiger? Welche Vorteile/Nachteile siehst Du auf einem Homeserver mit mehreren HDDs?

gas103

@all: Unser Servermensch sucht derzeit ein Tool von VMWare das kann angeblich alle gängigen Filesysteme in virtuellen BS ändern. Sobald ich näheres weiß werde ich das Ergebnis posten.

@gerd: Theoretisch ja, das muss aber ebenfalls der o.g. klären.

@bluelupo: Danke für den Hinweis. Die Lösung hängt aber auch von einem Livesystem ab und da bin ich wieder beim Servermenschen  :roll:
LVM spielt bei uns in der Firma keine Rolle und da hab ich auch meinen Allerwertesten zu weit unten um da mitschnabeln zu können.  :wink:

Danke
gas103

bluelupo

Quote from: "Lanzi"@bluelupo: mir hattest DU auch schon mal im siduxforum vor einiger Zeit LVM empfohlen. Ich hatte mich damals ein wenig eingelesen, aber nicht so recht den Vorteil gesehen. Hast Du mal einen Link für Einsteiger? Welche Vorteile/Nachteile siehst Du auf einem Homeserver mit mehreren HDDs?
Hi Lanzi,
ein Homeserver ist geradezu prädistiniert für den LVM. Die Vorteile liegen klar auf der Hand.

* Vergrößerung von einen FS On-The-Fly möglich
* mehrere Platten zu einer logischen Disk (Volumegruppe) zusammenfassbar
* via Snapshotverfahren ist im laufenden Betrieb eines gemounteten FS eine Sicherung möglich
* Spiegelung von FS (via Logical Volumes) möglich (RAID1)

Ich betreibe seit Jahren alle meine System unter dem LVM. Probleme hatte ich durch den Einsatz noch nie.

In meinen Wiki habe ich die Installation von aptosid unter dem LVM beschrieben.

Weitere Infos unter:
http://www.linuxhaven.de/dlhp/HOWTO/DE-LVM-HOWTO.html#toc4
http://docs.redhat.com/docs/en-US/Red_Hat_Enterprise_Linux/5/html/Logical_Volume_Manager_Administration/
http://www.tu-chemnitz.de/urz/kurse/unterlagen/volman.html
http://www.linux-user.de/ausgabe/2006/07/082-lvm/
http://www.howtoforge.de/howto/lvm-anleitung-fur-anfanger/

Lanzi

@Bluelupo: Danke!
Momentan ist es für mich recht einfach mit rsync backups scheibenweise zu machen (habe zu jeder HD eine mobile). Bin nicht sicher, ob der Aufwand durch LVM nicht größer wird

bluelupo

Quote from: "Lanzi"@Bluelupo: Danke!
Momentan ist es für mich recht einfach mit rsync backups scheibenweise zu machen (habe zu jeder HD eine mobile). Bin nicht sicher, ob der Aufwand durch LVM nicht größer wird
...ich sichere jeden Tag (via cronjob) die einzelnen Logical Volumes und den MBR  (aller NB's) auf ein NAS, das über NFS im jeweiligen lokalen System eingebunden ist. Wenn ein System Schrott ist wird eine LiveCD gestartet und die jeweiligen Images zurück gespielt. Das dauert in der Regel nicht mehr als 30 Minuten. Einfacher geht's nicht ;-)

agaida

+1 LVM ist die beste Erfindung seit Brot in Scheiben. Wenn man begriffen hat, was man damit alles anstellen kann, wird man es nicht mehr missen mögen. Die Einbindung über LVM bedeutet natürlich auch die Einführung einer neuen Abstraktions-Ebene. Von dieser Seite wird es also nicht wirklich einfacher. Ich kann aber bluelupos vote für LVM nachvollziehen. Alle meine Geräte laufen auf LVM. Nur dass beim Server und auf der WS unter den logischen Laufwerken ein Raid drunterliegt. Der dahinterliegende Gedanke: Raid ohne LVM macht einfach keinen Spass.
There's this special biologist word we use for "stable". It's "dead". ~ Jack Cohen

muchan

Quote from: "Lanzi"@bluelupo: mir hattest DU auch schon mal im siduxforum vor einiger Zeit LVM empfohlen. Ich hatte mich damals ein wenig eingelesen, aber nicht so recht den Vorteil gesehen. Hast Du mal einen Link für Einsteiger? Welche Vorteile/Nachteile siehst Du auf einem Homeserver mit mehreren HDDs?

aptosid manual:
http://manual.aptosid.com/de/part-lvm-de.htm#part-lvm

agaida

@Lanzi: Meinen Senf auch noch dazu. Mehrere Platten - Man schläft einfach ruhiger. Das Konzept von LVM ist ganz nett, aber eigentlich nichts wirklich komplett neues. Du legst über bestehende Hardware einfach eine Abstraktionsschicht und arbeitest ab da auf dieser Ebene. Klingt erst mal furchtbar, hat aber gewisse Vorteile. Wenn man sich auf die neuere Schreibweise einlässt, wird das aber verständlicher. Ganz platt: Du hast ein neues Blockdevice. Das nennt sich mapper. (Fast) Alles, was ab jetzt passiert, machst Du mit dem mapper.

Beispiel Notebook mit nur einer Platte:

# man pvcreate
pvcreate /dev/sda

# man vgcreate
vgcreate vg0 /dev/sda

# man lvcreate
lvcreate -L 20G --name aptosid vg0
lvcreate -L 100G --name work vg0

mkfs.ext4 -L aptosid /dev/mapper/vg0-aptosid
mkfs.ext4 -L work /dev/mapper/vg0-work


Mit dem letzten Befehl erzeugst Du auf ein logisches Volume. Das liegt auf dem mit pvcreate erstellten physical volume, dass der mit vgcreate erzeugten Volumegroup angehört.

Ab diesem Punkt fängt es an Spass zu machen. Du kannst Volumes definieren und formatieren wie gewohnt, statt dem Gerätenamen des pysikalischen Geräts (sda, sdb, sdc) heisst dein Gerät mapper. Klingt erst mal nicht besonders aufregend, ist es aber. An dieser Stelle ist es vollkommen wurst, was mapper ist. Das kann alles sein. z. B. auch ein Raid beliebiger Art. Alle Operationen, die ich auf dem mapper ausführe, passieren nicht mehr direkt auf der Hardware. Falls ich also mal wechseln will, bleibt alles, wie es ist. Die unter dem mapper liegende Harware wird plötzlich austauschbar ohne einen manuellen Eingriff in eine bestehende Installation.

Falls bluelupo also entscheiden sollte, dass ihm plötzlich seine Hardware nicht mehr gefällt, dann fängt er damit an, dass er in den Laden geht und die Platten seiner Wahl holt - meinetwegen, um sda durch ein Raid 5+0 zu ersetzen. Das schraubt er zusammen, wirft über die Raiddefiniton seine gewohnte Volumegroup und sichert zurück. Das war es dann auch schon. Die Installation bekommt nicht mal mit, dass sich was geändert hat.

Damit düfte sich dann auch die Frage nach mehreren Platten erledigt haben. Ein sauberes Raid >0 unter einem LVM macht auch den Homeserver einfach schöner. Eine Datensicherung ersetzen kann aber auch so was nicht.

Contra 1: Man kann damit natürlich auch Schindluder betreiben. Grade das immer wieder angesprochene zusammenstöpseln von irgendwas zu einer Volumegroup birgt gewisse Risiken. Beispiel JBOD - geht eine Platte aus dem Bündel kaputt, ist Schicht und Du hast hoffentlich eine Datensicherung. Auf Einzelplatten wäre nur die Platte kaputt. Deshalb ist beim Aufbau auch immer ein wenig Planung von nöten. Wenn Du also anfängst zu planen, dann wohl in die Richtung Raid + LVM, was wirklich eine geniale Kombi ist. Auf einmal macht dann sogar Raid unter Linux Spass.
Contra 2: Mehr Platten = mehr Stromverbrauch, mehr Lärm, mehr Wärme. Aber auch da kann man durch die Wahl der entsprechenden Geräte steuernd eingreifen.
There's this special biologist word we use for "stable". It's "dead". ~ Jack Cohen

Lanzi

@agaida: Danke für die Infos - Du machst es mir in der Tat schmackhaft. :-)
Mit mappern komme ich schon klar, das habe ich vor ca. einem Jahr bei meinen ersten Versuchen mit dmcrypt/luks/cryptsetup gelernt.
Aber ich habe mich noch nie mit Raid auseinadergesetzt und müsste mich sozusagen in beides einlesen/lernen. Das wäre mal ein schönes Projekt für eines der nächsten WoE, falls das Wetter mal nicht so ist :-)

Vielen Dank für die Infos!

@muchan: Danke!

agaida

Das mit dem Raid würde ich in diesem Fall eventuell mal verschieben. Wie schon geschrieben - lvm ist eine Abstraktionsschicht. Wenn Du also noch eine Platte über hast, dann würde ich rein zur Übung mal auf dieser oder auf einer VM anfangen, zu lernen.

Ich habe momentan mein Oldwiki in die ewigen Jagdgründe geschickt, ich hoffe, dass ich von dem noch nicht migrierten Zeug dann doch noch den einen oder anderen Artikel retten kann. Da war auch eine komplette Anleitung Raid und LVM drin. Wenn das nicht klappt mit dem zurückholen, dann bist Du herzlich eingeladen, das erste "Opfer" zum Testen des neuen HowTos zu sein.

Beide Themen sind ein recht weites Feld, die an das relativ eingemachte gehen, nicht von der Ausführung, sondern von den Abläufen und der eventuell fälligen Suche nach Verständnisfehlern. Auf jeden Fall weiss man danach wesentlich besser über grub, kernelmodule, Bootvorgänge etc Bescheid. Das hat ja auch was für sich.

Kontrapunkte auch hier: hat man in einem dieser Gebiete Schwachstellen, hat man sie danach auf jeden Fall nicht mehr so stark. Es könnte aber sein, dass sich dann die Inbetriebnahme der modifizierten Variante so lange verzögert, bis man die Schwachstellen abgebaut hat. Bei mir hat das ca. 3 Wochen gedauert, biss ich ohne Ring und Flügel frei schwimmen konnte.
There's this special biologist word we use for "stable". It's "dead". ~ Jack Cohen